Stadt-Umland-Konzept
Mit dem Stadt-Umland-Konzept (SUK) verfolgen die vier Partnerkommunen (Stadt Wurzen und die Gemeinden Bennewitz, Thallwitz und Lossatal) eine Verstetigung der bereits umfangreich vorhandenen Kooperationsansätze und haben ein Duales Leitbild zur Stärkung der Daseinsvorsorge im ländlichen Raum des Aktionsraums „Wurzener Land“ erarbeitet. Die Erarbeitung des Konzeptes wurde mit Hilfe von Fördermitteln aus der Richtlinie Förderung der Regionalentwicklung (FR-Regio) unterstützt.
Hintergrund
Kooperation ist in den letzten Jahren zu einem Schlüsselbegriff räumlicher Planung und regionaler Entwicklungssteuerung geworden. Die Stadt Wurzen und die Gemeinden Bennewitz, Lossatal und Thallwitz bilden den Verflechtungsraum eines zentralen Ortes mit insgesamt ca. 31.000 Einwohnern. Tendenzen, wie demographischer Wandel, schwache Finanzausstattungen sowie wirtschaftliche Zwänge sorgen dafür, dass die Stadt-Umland-Beziehungen der Stadt Wurzen und den Gemeinden Bennewitz, Lossatal und Thallwitz als Schicksalsgemeinschaft verstanden werden können. Das Umland ist in seiner Leistungsfähigkeit ebenso abhängig von der florierenden Stadt, deren Angebote es nutzt, wie die Stadt auf die Attraktivität des Umlandes angewiesen ist. Es gilt, eine abgestimmte Entwicklung zu planen und zu steuern, die eine bestmögliche Leistungserbringung durch Bündelung aller Potenziale des zentralen Ortes und des Umlandes gewährleistet.
Insbesondere die Lage im Umland von Leipzig führt dazu, dass nach Jahren demographischer Schrumpfung zukünftig wieder mit Wachstumsbewegungen in der Region zu rechnen ist. Um die Möglichkeit zu eröffnen, an diesem Wachstum aktiv und gestaltend teilzunehmen, ist die Fortschreibung bestehender Entwicklungskonzepte (Wurzen) bzw. die Neuerarbeitung und Synchronisierung derartiger konzeptioneller Planungen erforderlich. Vor den erwähnten Hintergründen ist ein gemeinsames Leitbild für eine Entwicklung bis 2030 unter Berücksichtigung individueller Unterschiede und spezifischen Relationen zwischen der Region und den Kommunen zu entwickeln.
Zusammenfassend soll mit der Erarbeitung des Stadt-Umland-Konzept (SUK) die aktive Gestaltung des demographischen Stabilisierungsprozesses und die Sicherstellung der Daseinsvorsorge im ländlichen Raum geplant und entwickelt werden.
Prozess
Das vorliegende Stadt-Umland-Konzept (SUK) ist eingebettet in den Gesamtprozess zur Verstetigung und Intensivierung der Stadt-Umland-Kooperation der Partnergemeinden des Wurzener Landes. Das vorliegende SUK untersucht vordergründig die Beziehungen der Partnergemeinden untereinander und formuliert für den Aktionsraum Wurzener Land eine Regionalstrategie zur Sicherstellung gleichwertiger Lebensverhältnisse in Stadt und ländlichem Raum. Der Fokus liegt deshalb vor allem auf öffentlicher Infrastruktur, Daseinsvorsorge und Anbindung/Verkehr. Mit dem SUK wurden sogenannte Kooperationsfelder definiert, in welchen die Partnerkommunen zukünftig enger zusammenarbeiten und kooperieren wollen. Die Schlüsselprojekte, welche mit dem vorliegenden SUK erarbeitet werden, dienen vor allem dem weiteren Zusammenwachsen der Verwaltungen. Für die Umsetzung der angestrebten Regionalstrategie „Sicherstellung gleichwertiger Lebensverhältnisse“ in Stadt und Umland sind nachhaltige Investitionen in die öffentliche Infrastruktur notwendig. Mit dem Interkommunalen Entwicklungskonzept (IEK) und dem qualifizierten Förderantrag im Programm Kleinere Städte und Gemeinden – überörtliche Zusammenarbeit und Netzwerke (KSP) hat als Vorgriff auf die Verstetigung der Kooperation eine konkrete projektbezogene Abstimmung bereits stattgefunden.
Für die Erarbeitung des vorliegenden Stadt-Umland-Konzeptes wurde der Ansatz gewählt, dass alle vier Partnerkommunen ihre Selbstständigkeit be- und erhalten. Eine Überarbeitung von Verwaltungsgebieten ist ausgeschlossen. Auch vor dem Hintergrund der Nähe von Politik, Administration und Bürgern wurde folgendes grundsätzliches Leitbild dazu formuliert:
SCHULE, KIRCHE UND RATHAUS BLEIBEN IM DORF
Dies sollte zu jederzeit vermitteln, dass einer weiteren Reduzierung des öffentlichen Angebots eine klare Absage erteilt wird.
In der Erarbeitung des Konzeptes wurde dann eine Regionalanalyse zu den Themen Demographie, Siedlungsstruktur und Städtebau, öffentliche Einrichtungen (Kitas, Schulen, Feuerwehren, Bauhöfe), Verkehr und Finanzen durchgeführt. Hier wurde jede Kommune genau analysiert und Stärken und Schwächen definiert.
Ergebnisse
Die Partnerkommunen stehen in Folge des geänderten Trends in der Bevölkerungsentwicklung vor der Herausforderung die öffentlichen Angebote der Daseinsvorsorge und der Versorgungsfunktionen bedarfsgerecht auch in der Fläche des Aktionsraumes anzubieten. Dabei ist den Partnerkommunen bewusst, dass diese Aufgabe nur gemeinschaftlich gelöst werden kann. Unter dem grundsätzlichen Leitbild SCHULE, KIRCHE UND RATHAUS BLEIBEN IM DORF soll die jeweils eigenständige Infrastruktur weiterentwickelt werden. Dabei sollen unter intensiver Abstimmung zu den einzelnen Einrichtungen Fehlentwicklungen vermieden werden.
Aus dem Prozess zur Erarbeitung des SUK wurde eine Regionalstrategie mit zwei Säulen entwickelt.
Mit dem räumlichen Leitbild definiert das Wurzener Land die langfristige Entwicklung der Daseinsvorsorge in den ländlichen Teilräumen des Aktionsraums.
Im kooperativen Leitbild wird die weitere verzahnte und synchronisierte Zusammenarbeit der vier Partnerkommunen dargestellt. Ziel ist es den bereits begonnenen Prozess der weiteren Intensivierung und Verstetigung der Kooperation zu systematisieren. Auf Grund der Vielzahl von betroffenen Bereichen, die zukünftig nur in Zusammenarbeit erfolgreich gemeistert werden können, ist es notwendig ein Leitbild zu entwickeln. Dieses soll eine einfache und stringente Kommunikation nach innen und außen ermöglichen, welche Bereiche kooperativ und welche eigenverantwortlich bearbeitet werden sollen. Der Ansatz " Die Schule, , die Kirche, das Rathaus bleiben im Dorf!" Das heißt, weitere Eingemeindungen oder Gemeindezusammenschlüsse werden abgelehnt.
Nur im Zusammenwirken von räumlichem Leitbild zur Sicherung der Daseinsvorsorge und der Grundversorgung der Bevölkerung in der Fläche und kooperativem Leitbild zur weiteren Intensivierung und Verstetigung der interkommunalen Kooperation kann eine erfolgreiche und gedeihliche Entwicklung der gesamten Fläche des Wurzener Landes gelingen.
Diese beiden Leitbilder dürfen also niemals solitär nebeneinanderstehen, sondern müssen zwingend als DUALES LEITBILD der Regionalentwicklung verstanden werden. Stärkung der Versorgungs- und Siedlungskerne kann nur in Kooperation geschehen, damit keine konkurrierenden Angebote die Tragfähigkeit der etablierten Strukturen gefährdet. Nur mit maßnahmenbezogener Abstimmung zwischen den Partnerkommunen kann dieses gelingen. Verstetigung von Kooperation kann nur gelingen, wenn im ländlichen Raum des gesamten Wurzener Land ein gutes, gleichwertiges Angebot an Daseinsvorsorge und Grund-/Nahversorgung besteht.
Ausblick
Für die Umsetzung der beiden Leitbilder wurde ein Zeitraum bis 2025 festgelegt. Im SUK sind die Umsetzungsziele und Maßnahmepakete der einzelnen Themenbereiche (Kinderbetreuung, Brandschutz/ Feuerwehr, Bildung, Soziokultur, Friedhof, Nahversorgung, Verwaltung) aufgeschlüsselt.
Für die Finanzierung in die Infrastruktur wurde im Jahr 2018 ein gemeinsamer Antrag im Städtebauförderprogramm Kleinere Städte und Gemeinden überörtliche Zusammenarbeit und Netzwerke gestellt, der Ende 2018 befürwortet wurde. Aktuell laufen die Vorbereitung der geplanten Maßnahmen, welche mit Hilfe des Förderprogramms umgesetzt werden sollen.
Dokumente
| Endbericht SUK (34 MB) | |
| Präsentation zum Projektabschluss (4 MB) | |
| Präsentation zur Regionalkonferenz (3 MB) |


